Der alte Fliegerhorst

Was für eine Tour mit bleibenden Erinnerungen. Es war mal wieder eine Tagestour zu dem Spot. Als wir ankamen, sahen wir, dass das Gelände gar nicht mehr einem Fliegerhorst gleicht. Es gibt keine Landebahnen mehr, der ehemalige Bunker der auf dem riesigen Gelände stand, wurde bereits gesprengt und abgetragen. Um das Gelände hat sich mittlerweile Industrie breit gemacht. Nur noch das große Haupthaus und ein paar kleine Nebengebäude stehen auf dem Gelände. Da es Wochenende war, konnte man gut im Industriegebiet parken. Der Rest ging dann zu Fuß, samt Ausrüstung. Auf einem alten Zufahrtsweg sieht man noch diverse Steinsäulen, sowie Reste von gesprengten Objekten oder Bunkern. Genau konnte man nicht mehr erkennen was es war, auf jeden Fall irgendwas mit Stahlbeton. 😊 

Die Anlage rund ums Haus ist recht stark zugewachsen. Unsere ersten Blicke fielen auf die Außenfassade. Nicht allzu weit weg hörten wir das Geräusch eines Motors. Kurze Zeit später bog ein Quad mit einem Securitymitarbeiter um die Ecke. Da wir sofort entdeckt waren, brachte es auch nichts mehr die Flucht zu ergreifen. Das Quad dürfte schneller gewesen sein als wir. 😊 Auf die Frage, was wir hier machen, kamen wir doch in ein lockeres Gespräch mit dem guten Mann. Das Gespräch artete etwas aus und verlief über eine halbe Stunde. Nachdem wir ihm erzählten was wir machen und was wir hier vorhaben, meinte er nur, es gibt in der Mitte des Objekts einen privaten Bereich. Dieser ist mit Stahltüren verschlossen und mit Kameras versehen. Zudem sind die Türen mit einem Alarm gekoppelt. Wir sollten es also gar nicht erst versuchen. Ansonsten wünschte er viel Spaß, wir sollten aufpassen wegen der ganzen Löcher und baufälligen Bereiche und wenn wir Jugendliche drinnen finden sollen wir die rausschmeißen. 😊

Also besser kann es echt nicht laufen. Also los ging unsere Tour in das große Gebäude.

1935 wurde mit dem Bau des Fliegerhorsts sowie mit der Kasernenanlage begonnen. Ende 1936 wurde eine Schule zur Ausbildung von Flugbeobachtern eröffnet. Ein Jahr später wurde das große Sichelförmige Kasernengebäude errichtet. Hier konnten über 1100 Soldaten untergebracht werden. Gleichzeitig wurde die Fliegerübungsstelle aufgestellt, die hier jedoch nur bis März 1939 bestand. 1938 kam ein großes Wirtschaftsgebäude dazu. In der ersten Jahreshälfte des Jahres 1940 wurden hier zwei Kampfgeschwader stationiert, um von hier aus an Operationen teilzunehmen. Danach wurde es auf dem Fliegerhorst erst einmal wieder ruhiger. Im April 1942 wurde hier eine Staffel der Luftwaffe aufgestellt, die jedoch im Juni des gleichen Jahres wieder verlegt wurde. Danach gab es mehrere Luftwaffe-Staffeln, die immer wieder kurz hier stationiert waren und dann weiter auf andere Standorte umdisponiert wurden. Ebenfalls im April 1942 wurde eine Kampfgruppe hierher verlegt, die hier auf die Gotha Go 244 umgerüstet wurden (Die Gotha Go 244 war eine direkte Weiterentwicklung des Lastenseglers Gotha Go 242 der Gothaer Waggonfabrik.) Diese wurde im Juni 1942 an die Ostfront verlegt. Ende 1943 kam die Flugzeugführerschule auf das Gelände. Der Schulbetrieb wurde hier bis Mitte 1944 betrieben. Direkt danach wurde sie zur Jagdfliegerschule geändert. Bis zu seiner Auflösung im Frühjahr konnte das Geschwader jedoch keinen Flugbetrieb mehr durchführen. Mitte März 1945 kamen Teile der Nachtschlachtgruppe auf die Anlage und flogen von hier aus bis Ende April 1945 Einsätze gegen die Rote Armee. Am 2. Mai 1945 wurde die Anlage von amerikanischen Truppen besetzt. Im Juli 1945 übernahm die Rote Armee die Anlage und das gesamte Gebiet. In den Folgejahren wurden einige Bereiche von der Roten Armee demontiert. Hier war bis zur Wende die Mechanisiertes Schützen-Division der GSSD stationiert. 1992 wurde die Anlage an die deutsche Verwaltung übergeben. In den Jahren 1996 bis 2004 wurde große Teile abgerissen und später als Industriegebiet verwendet. Die ehemaligen Landebahnen sind nicht mehr zu sehen. Eigentlich steht nur noch das große sichelförmige Hauptgebäude, sowie ein paar wenige kleinere Nebengebäude. 

Wir hatten das Glück, dass wir nach unserem Beuch, durch Zufall, mit einem Nachbarn ins Gespräch kamen. Einem mittlerweile sehr altem, aber auch sehr netten Mann, der uns noch einige Informationen und Geschichten zu dem Objekt erzählte. 

Laut seiner Aussage, soll es damals um das Gelände auch einen Graben gegeben haben, den die Russen wohl vor Abzug wieder zugeschüttet hatten. Nach der Wende sollen dann wohl hier Sondengänger unterwegs gewesen sein. Anfänglich haben sie wohl noch alte Stahlhelme unter der Erde gefunden haben. Dann noch altes Geschirr mit dem bekannten Kreuz drauf und an einer anderen Stelle fast neue, eingeölte und in Papier eingepackte AK 47. In wie weit das stimmt können wir jedoch nicht beurteilen. Was wir aber wissen und was der Mann uns auch erzählt hatte, war, dass die Russen damals grundsätzlich wohl Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung hatten und mit den Anwohnern im Umfeld durchaus Waffen gegen Lebensmittel getauscht haben. Laut seiner Aussage konnte sie wohl fast alles liefern was man haben wollte. Wir möchten nicht wissen, was in den neuen Bundesländern teilweise noch auf den Dachböden liegt, was eventuell unter das Kriegswaffengesetz fällt. 

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