Der alte Staudamm
Man fühlte sich hier in der Gegend wie auf dem Mars. Ringsherum nur rötlicher Sand und Gestein. Kilometerweit kein weiteres Leben. Aber bekanntlich macht Mars ja mobil und so sind unsere beiden kleinen Freunde mit ihrem Jeep direkt ins nichts gefahren um neue Orte und Abenteuer zu finden. Ausgestattet mit viel Sonnencrem und reichlich Getränken ging es lange Schotterpisten lang bis sie ihr Ziel erreicht haben. Einen alten Staudamm, der wirklich im Nichts steht. Außer einer Horde wilder Atlashörnchen, die mal vorbeischauten ob ein paar Nüsse für die rausspringen 😊
Der Bau des Staudamms ist auf die damalige Franco Diktatur zurückzuführen. Diktator Franco besuchte die Insel 1950 persönlich und versprach sie wieder wirtschaftlich aufblühen zu lassen. In einer Entfernung von ca. 3 bis 4 Kilometern vom Staudamm wurde damals eine landwirtschaftliche Kolonie errichtet. Dort sollten Linientreue am Aufschwung arbeiten. Den Ort gibt es heute noch mit einer Hand voll Häusern. Politisch Verfolgte wurden damals hier in Straflager untergebracht und als Arbeitskräfte eingesetzt. Drunter vielen unliebsame Regimegegner, Homosexuelle und Landstreicher. Sie wurden in Baracken untergebracht, von denen man heute noch teilweise Reste findet. Bis zu 1500 Menschen waren hier untergebracht. Das Leben war hier hart gearbeitet wurde jeden Tag außer Sonntag. Waschen durften sich die Gefangenen nur am Samstag. Wasser wurde aus dem großen Becken geholt, welches sich vor der Staumauer gebildet hat. Das Straflager war von 1956 bis 1966 in Betrieb. Interessanterweise war das Gelände damals nicht eingezäunt. Wer floh, verdurstete und verhungerte irgendwo auf der Insel. Man hüllt sich heute noch in Schweigen, wie viele beim Bau des Staudamms umkamen.
Nachdem die Pläne fertig waren, wurde Anfang der 1950iger mit der Errichtung des Staudammes begonnen, der ca. 2 Km lang, 200 m breit ist und eine maximale Tiefe von 5 m aufweist. Die Kapazität ist 210.000 Kubikmeter, die Staumauer rund 40 m hoch. Wie üblich in dem Land, arbeitet die Verwaltung zwar sehr langsam, dafür aber besonders akribisch ( gut, da kennen wir auch diverse von), so wurden die gesamten Erstellungskosten dokumentiert. Der Spaß kostete damals 1,3 Mio. Pesetas. Voll wurde das Staubecken jedoch nie. Es verlandete sofort. Nun ja, mit über 300 Sonnenstunden im Jahr und dem geringsten Niederschlag in dem Gebiet hätte man sich das eventuell vorher ausmalen können.
Die Idee um den ganzen Staudamm war, in der Ebene eine landwirtschaftliche Kolonie zu errichten, eine blühende Agrarlandschaft. Die ärmsten Familien der Insel konnten sich bei der Inselverwaltung bewerben diese Kolonie zu besiedeln und zu bewirtschaften. 33 Familien wurden ausgewählt, erhielten ein Haus und ein Stück Land. Dies alles ist fast ausschließlich noch im Besitz der ursprünglichen Familien.
1962 wurde eine Gesellschaft beauftrag, den Staudamm in Stand zu setzen und auszubauen. Das Arbeitslager stand nicht mehr zur Verfügung. Die Arbeiten verschlangen über 6,1 Mio. Pesetas, doch aller Aufwand nütze nichts. Schließlich musste die Sinnlosigkeit des Projektes eingesehen werden und es wurde 1987 zum Naturschutzgebiet erklärt. Und somit wurden wie so oft und überall Gelder in erheblicher Höhe in den Wind geschossen, von der Situation der damaligen Arbeiter ganz zu schweigen.
























