Der vergessene Fliegerhorst
Als wir ankamen, parkten wir in einem kleinen Waldweg. Was uns im Vorbeifahren schon auffiel, waren recht große Schneisen, wo Schlepper oder Forstfahrzeuge gefahren sein mussten. Dafür sprach auch, dass hier diverse Rodungen getätigt wurden. Da wir das Gelände nicht kannten und in so einem Gebiet durchaus noch das eine oder andere im Boden liegen könnte, wo man nicht zwingend drauftreten sollte, hielten wir uns erst einmal hauptsächlich in der Fahrspur. Wenn hier ein schwerer Schlepper durchgefahren ist, dann werden wir schon nicht in die Luft fliegen, sollte man irgendwo drauftreten. Dann hätte es wohl die Förster schon eher zerlegt. 😊Also Marsch Marsch durch den Wald schön im Gänsemarsch. Es war leise im Wald und niemand war zu sehen. Ideale Voraussetzungen. Das sollte sich allerdings später leider ändern. Aber erst einmal hatten wir genug Zeit uns in Ruhe und ausgiebig umzuschauen und unsere Bilder zu machen. Die Geschichte zu der Anlage kommt im 2. Teil.
Etwa 4 Kilometer von der nächsten größeren Stadt liegt dieser ehemalige Fliegerhorst. Bereits 1936 wurde er als Landeplatz genutzt. Von 1937 bis 1939 wurde er dann zu einem Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut. Im August 1937 wurde der Bereich schon von der Luftwaffe genutzt. Im September 1937 wurde ein ganzes Geschwader hierher verlegt um an einem Wehrmachtsmanöver teilzunehmen. Im Oktober 1937 wurde das Geschwader wieder abgezogen und an einen anderen Platz verlegt worden. Im Anschluss war die Anlage nicht mehr nutzbar auf Grund von Bauarbeiten. Der Platz erhielt eine betonierte Landebahn, sowie Flugzeughallen und Werkstätten. Erst ab 1939 wurde die Anlage nach Fertigstellung wieder nutzbar. Es etablierte sich ein Fliegeranwärter-Regiment, sowie eine Flugzeugführerschule. Im Januar 1940 wurde dann der erste Einsatzverband hierher verlegt. Bis zum Juni 1940 wurde hier ein Kampfgeschwader aufgefrischt und auf die Ju 88 A-1 umgerüstet. Anschließend wurden auf dem Platz vornehmlich Transport- und Lastenseglereinheiten stationiert. 1941 wurden hier mehrere Lastenseglerkommandos aufgestellt und für die Front ausgebildet. Im August 1943 kamen dann mehrere Nachtjagdeinheiten auf die Anlage, um hier umgerüstet zu werden.
In der 2. Jahreshälfte 1943 folgten dann umfangreiche Umbau- und Ausbauarbeiten auf dem Platz. Die Start- und Landebahn wurde verlängert, neue Rollwege wurden angelegt. Am 9. April 1944 wurde der Platz erstmals von den alliierten angegriffen. 14 amerikanische B-24 griffen den Platz mit 266 Sprengbomben an, wobei die Schäden gering blieben. Am 18. Juni 1944 griff ein einzelner amerikanischer Bomber den Platz an und zerstörte eine Unterkunftsbaracke und eine Ju 88. Am 4. April 1945 wurde der Platz erneut von den Amerikanern angegriffen. 33 B-24 warfen ihre Bomben auf den Platz, verfehlten diesen jedoch größtenteils. Daher wurde der Angriff am 7. April 1945 wiederholt. Dieses mal warfen 134 B-17 ihre Bomben auf den Platz und richteten einigen Schaden an. Daraufhin wurde das Jagdgeschwader 1 am 9. April 1945 auf ein anderes Fliegerhorst verlegt. In der Nacht zum 2. April begannen die auf dem Platz noch verbliebenen Einheiten mit dem Abmarsch nach Nordwesten. Am 3. Mai 1945 wurde der Platz schließlich von der Roten Armee besetzt und nach dem Krieg ausgiebig genutzt. Vier Jahre später wurde auf dem wiederaufgebauten Flugplatz das sowjetische Jagdfliegerregiment stationiert, das später zum Jagdbombenfliegerregiment umgebildet und 1970 von ersten Hubschraubereinheiten abgelöst wurde. Folgend wurde der Flugplatz ab 1973 durch das selbstständige Kampfhubschrauberregiment genutzt, das bis 1992 blieb. Der eigentliche Flughafen existiert heute noch und wird privat genutzt. Die alten Häuser der Militäranlage scheinen eher ins Vergessen geraten zu sein, da sie etwas Abseits im Wald liegen. Im und um das Gelände sind reichlich Forstarbeiten die dort durchgeführt werden, trotz der Schilder. Leider wurden wir während unseres Besuches von einem Trupp von Forstarbeitern gestört und mussten uns zurückziehen, bevor es zu irgend welchen Diskussionen kam.




































































































































