Die alte Muna

Und manchmal gibt es Touren, da ist man halt nur in der Natur, da man leider nicht in die verschlossenen Gebäude hineinkommt. Und so war es auch hier. Zumindest hatten wir einen sehr schönen Waldspaziergang und doch das eine oder andere gefunden. Aber seht selber. 😊

Der Ursprung des Geländes liegt im Jahre 1872 als Übungsplatz für das IX. Armee-Korps der preußischen Armee. Neben dem Fußartillerie-Regiment erhielt ab 1912 auch das neue III. Bataillon des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments, dass wegen der fehlenden Fertigstellung seiner Kaserne am zugewiesenen Standort hier vagabundierte, dort seine Garnison.

Ab 1915 wurden hier finnische Jäger, finnische Kriegsfreiwillige ausgebildet, die später den Kern der finnischen Armee bildeten. Damit sollten finnische Autonomiebestrebungen unterstützt werden und Russland geschwächt werden. Finnland war als Großfürstentum Finnland damals Teil des Russischen Reiches. 1917 konnte Finnland dann unter anderem mit Hilfe dieser Kriegsfreiwilligen die Selbstständigkeit erlangen. 1918 spielten diese „weißen“ Truppen zusammen mit deutschen Einheiten und schwedischen Freiwilligen die entscheidende Rolle bei der Zerschlagung der finnischen Revolution und der anschließenden blutigen Rache an den aufständischen Arbeitern.

1920 wurden im Gutsbezirk Teile einer Brigade stationiert, die noch kurz zuvor beim Kapp-Putsch gegen die reguläre Regierung geputscht hatte. Die Einheit sollte friedlich aufgelöst werden und in Siedlungsprojekten neue Arbeit und Unterkunft finden. Die angestrebte Entwaffnung und Entpolitisierung der antirepublikanischen und antisemitischen Rechtsverbände gelang aber nicht vollständig. So wurden immer wieder Waffen bei den rechtsradikalen Siedlern gefunden. Das erregte großes öffentliches Aufsehen und führte dazu, dass der preußische Ministerpräsident Otto Braun im August 1920 das Lager besuchte. Er stellte dem Lager aber ein gutes Zeugnis aus. Doch die rechtsextremen Aktivitäten gingen weiter. Kurz nach dem Besuch Brauns weigerten sich die Siedler im Oktober, freiwillig Waffen an die Behörden herauszugeben. Als für die Abgabe von Waffen eine Belohnung gezahlt wurde, lieferten die ehemaligen Angehörigen der Brigade aus ihren Beständen große Mengen. Aber das waren nur Teile ihrer Vorräte. Noch 1923 wurden bei Siedlern des ehemaligen Freikorpsverbandes große Bestände an Militärwaffen gefunden. Zudem waren viele der ehemaligen Soldaten nicht besonders geeignet für das entbehrungsreiche Siedlerleben. In der Folge war der Gutsbezirk immer wieder ein Stützpunkt und Zufluchtsort antirepublikanischer Rechtsverbände. Dazu zählten unter anderem die Reitervereine, die Schwarze Reichswehr, der Stahlhelm und später auch die SA. In der folgenden Zeit übten Verbände der Reichswehr im Rahmen der illegalen Schwarzen Reichswehr auf einem kleineren Teil des Truppenübungsplatzes.

H.E. gründete 1923 als Nachfolgeorganisation für die mittlerweile verbotene Mordorganisation Organisation Consul den Bund Wiking, der die Republik mit gewaltsamen Mittel beseitigen sollte. In der nahegelegenen Stadt unterhielt der Wikingbund eine aus diesem Umfeld gesteuerte Jugendgruppe, die Wiking-Pfadfinderschaft. Nach dem Verbot des Wikingbundes durch die republikanischen Behörden nannte sich die Jugendgruppe in Freischar Schill um. 1927 trat sie unter ihrem Führer W.B. geschlossen in die Hitlerjugend der NSDAP ein.

Die Anlage galt als Wiege der SA in diesem Bundesland. Ab 1929 arbeitete für die SA und andere rechtsextreme Verbände eine sogenannte Volkssportschule, die mit Unterstützung des von General Kurt von Schleicher gegründeten Reichskuratoriums für Wehrertüchtigung als Wehrsportschule fungierte und in großem Umfang paramilitärische Ausbildung vermittelte. Diese Ausbildung gehörte zu den Aktivitäten der Schwarzen Reichswehr. Der Leiter dieser Wehrsportschule, die Kurse für rechtsextreme Verbände und vor allem auch für die SA abhielt, war der Offizier der Schwarzen Reichswehr H.S., der gleichzeitig der SA angehörte und schon 1920 in die NSDAP eingetreten war. In den 1930er Jahren ging die Schule offen in den Besitz der NSDAP über. Zuerst fungierte sie als Geländesportschule, ab 1935 nannte sie sich SA-Sportschule. Später kam eine Umschulungseinrichtung der SA dazu, das SA-Hilfswerklager Nordmark, später SA-Berufsschule. Viele Funktionäre der Nationalsozialisten absolvierten paramilitärische Kurse in der Anlage.

1934 wurde mit dem Bau der “Heeresmunitionsanstalt” (Muna) begonnen. 1939 arbeiteten dort 1.000, 1944 4.000 Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage erneut zu einem Flüchtlingslager. Auf dem ehemaligen Gelände siedelten sich diverse Unternehmen an, die dort produzierten und auch Teile der Anlagenutzten wie Bunker etc. Nach der Wende und der Beendigung des „Kalten Kriegs“ wurde auch dieser Standort vom Militär aufgegeben. Die Natur ist wieder auf dem Vormarsch. Heute ist das Gelände mittlerweile der Öffentlichkeit freigegeben, so dass man hier auch ausgedehnte Spaziergänge durch den Wald und die Anlage machen kann. 

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