Die Anstalt
Wir befinden uns auf einem riesigen Areal. Hier gibt es so viele einzelne Bereiche, so dass wir diese in einzelne Alben gegliedert haben.
Anfang des 20. Jhs plante der Provinzialausschuss die Errichtung einer Anstalt. Es wurde eine Ausschreibung durchgeführt. Im Juni 1904 erhielt dieser Ort den Zuschlag, auf Grund seiner Lage und auch der Anbindung von Bahnhöfen und Straßen. Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten mit der Errichtung diverser Gebäude und einer eigenen Infrastruktur.
1908 wurde die Anstalt eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf rund 6,75 Mio. Mark. Für die Zeit gab es hier schon eine moderne Einrichtung, wie eine eigene Stromerzeugung. Die angrenzende Stadt erhielt erst im Jahr 1922 ein elektrisches Stromnetz. Das Baumaterial wurde von einer eigens für dieses Vorhaben errichteten Fabrik geliefert. Sie produzierte überwiegend Kalksandstein. Nach Fertigstellung der Anstalt musste die Fabrik jedoch Insolvenz anmelden.
In der Anstalt gab es ein eigenes Lazarett wo bis zu 1050 Personen behandelt werden konnten. Ferner gab es auch eine Pensionärsanstalt, wo weitere 150 Personen untergebracht werden konnten. Die Versorgung erfolgte über eigenen Landwirtschaftshof. Es gab eine Zentralheizung, eine Wasserver- und Abwasserentsorung, sowie ein Maschinenhaus mit Werkstätten. Gegenüber der Anstalt wurden zunächst 52 Wohnungen für Angestellte errichtet.
Im ersten Weltkrieg wurde die Anlage als Lazarett genutzt, um verwundete Soldaten zu versorgen. Im Jahr 1923 wurde die Anlage geschlossen auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten in der Phase der Hochinflation. Ein Jahr später wurde sie wieder eröffnet und behandelte bis 1931 ca. rund 1500 Patienten. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier über 1800 Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung ermordet. Die Anstalt fungierte als Zwischenanstalt für zwei NS-Tötungsanstalten. Im August 1941 erfolgte hier ein Transport von 465 Patienten in die Klinik. 109 Patienten blieben in der Anstalt, von diesen verstarben 93 bis Kriegsende. Nur 8 überlebten auch die unmittelbare Nachkriegszeit. Die übrigen Patienten wurden in der ersten Hälfte 1942 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt.
Im zweiten Weltkrieg richtete die Wehrmacht hier ein Speziallazarett ein. Ein Luftangriff führte zu vielen Toten und Verletzten, sowie zu diversen Schäden an den Gebäuden. Im April 1945 besetzte die Rote Armee die Klinik, wie auch das gesamte Umfeld. Der Anstaltsleiter und der Oberarzt wurden verhaftet. Ein Verbleib und was mit ihnen passierte ist unbekannt. Die Rote Armee richtete auf dem größten Teil der Anlage ein Hospital ein. Es entstanden mehrere Stationen, wie eine Chirurgie und eine HNO-Abteilung, sowie öffentliche Einrichtungen, darunter ein Club, eine Bibliothek, eine Einkaufshalle und eine Waschküche. In der Hochphase der Klinik arbeiteten auf dem Gelände bis zu 500 Angestellte, die überwiegend aus der Sowjetunion kamen.
Der kleinere Teil der Anlage diente ab 1950 rum zum Aufbau einer Nervenklinik nach den Vorgaben des Ministeriums der DDR. Da die Rote Armee die Verwaltungsgebäude beanspruchten baute man eine eigene Küche und Wäscherei auf. Ein Jahr später erhielt man ein leerstehendes Gebäude von den Besatzern und konnte dort weitere 100 Patienten unterbringen. 1953 bauten Handwerker das Gasthaus zum Kulturhaus um. Etwas später wurde sogar noch ein Betriebskindergarten errichtet. 1965 wurde die neurologische Abteilung eröffnet, sowie 1978 eine Röntgenabteilung.
Ab 1976 konzentrierte sich das Haus auf die Behandlung von Alkoholikern. 1985 wurde die Station für suchtkranke Frauen ausgebaut. Zur besseren Behandlung wurde die Bettenanzahl von ursprünglich 580 auf 540 reduziert.
Nach der Wende wurde eine Umstrukturierung durchgeführt. 1992 gab es eine Reduzierung des Bereichs für Menschen mit Behinderung, sowie in der Abteilung für sozialpsychiatrische Rehabilitation. Das Gelände ist zweigeteilt. Einmal die heute noch aktuelle Klinik die in Betrieb ist und ein ca. 16 Hektar großes Gelände, welches überwiegend von Ruinen und Wildwuchs belegt ist. 2019 erwarb ein Investor das Areal. Dieser plant, 18 Bestandsgebäude und den Park zu restaurieren. Der überwiegende Teil soll für Wohnzwecke dienen; für vier Gebäude ist eine gewerbliche oder soziale Nutzung geplant. Denkbar wäre beispielsweise ein Seniorenheim, eine Pflegeeinrichtung, Ärzte, Büros oder eine Kita. Der Bestand soll um zwölf neue Wohngebäude ergänzt werden. Die Pläne sehen 450 Wohneinheiten mit 16.000 Quadratmeter im Bestand und im Neubau sowie 7000 Quadratmeter für die gewerbliche Nutzung vor. Aktuell laufen wohl immer noch die Anträge für den Bebauungsplan. 3 Objekte sind aber bereits in einer wohnlichen Nutzung. Mal sehen wie das ganze da weiter geht. Das Gelände wurde mittlerweile durch diverse Kameras und Wachdienst gesichert. Bei einem Besuch sollte man hier doch recht vorsichtig sein.
















































































































