Die Reste des Geisterbahnhofs

Ab 1910 begannen die Planungen für eine elektrisch betriebene Bahn, die damals das Gebiet erschließen sollte. Mit der Bahnanbindung an das Netz an die angrenzende Großstadt erhoffte man siedlungspolitische Impulse zu setzen. Die Arbeiten begannen 1912. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren die Erdarbeiten im nordöstlichen Teil der Strecke abgeschlossen und die Station als Rohbau fertiggestellt. 

Im Jui 1914 beschloss der Senat und die Bürgerschaft nachträglich eine Verlängerung, der damals noch im Bau befindlichen Bahn um ca. 1,3 km nach Nordosten.  Dort sollte ein Endbahnhof errichtet werden. Auslöser waren Pläne im benachbarten gebiet eine Siedlung für Arbeiter einer projektierten Waffenfabrik zu errichten. Außerdem wollte die Stadt eine weitere psychiatrische Klinik errichten, die ebenfalls über den Bahnhof angebunden werden sollte. Einige Konzepte sahen darüber hinaus für die Zukunft eine Fortführung der Strecke zu errichten, die dann weiter östlich einen Endbahnhof erhalten soll. Daher wurde die Abschlussmauer des hier gezeigten Bahnhofs zugleich als Brückenpfeiler errichtet, um später dann die Verlängerung der Gleise über eine Brücke bauen zu könne. Dazu kam es jedoch nie. 

Ungeachtet dieses Plans wurde nur die Strecke bis zu diesem Bahnhof und dessen Empfangsgebäude verwirklicht. Die Arbeiten begannen 1915. Hierfür war die Aufschüttung eines Bahndamms sowie die Errichtung von zwei Brücken erforderlich, weil das Höhenniveau des vorangehenden Streckenabschnitts beibehalten werden musste. Nach Fertigstellung des Damms wurden die Gleise verlegt. Die Verbindung zwischen den Stationen war zweigleisig ausgelegt, um einen dichten Taktfahrplan zu ermöglichen. 

Im Stationsbereich wurde ein 60 Meter langer Mittelbahnsteig für Vier-Wagen-Züge errichtet, von dem 40 Meter überdacht waren. Unter der Überdachung stand mitten auf dem Bahnsteig ein kleines Haltestellenwärterhäuschen. Das Empfangsgebäude mit Zugang von der Westseite des Bahndamms bestand aus rotem Backstein. Im Anschluss daran befand sich ein verglastes und bereits verputztes Treppengebäude mit darunterliegender Ausgangshalle. Der Personentunnel hatte eine Gewölbedecke.  Gegen 1916 war der Bau des Bahnhofs abgeschlossen, spätestens 1918 lagen auch sämtliche Gleise. Zum Betrieb fehlten allerdings auf der gesamten Strecke noch die Stromschiene und die elektrischen Anlagen; sie waren in den Kriegsjahren nicht verfügbar. Auf einem Teilabschnitt wurde deshalb 1918 ein Vorlaufbetrieb mit Dampflokomotiven aufgenommen. Die Elektrifizierung zog sich einige Jahre hin. Erst 1921 war die Strecke dann vollständig bis zum vorletzten Bahnhof elektrifiziert. Nur die Strecke vom vorletzten Bahnhof, bis zu diesem wurde letztlich nie eröffnet und auch nicht elektrifiziert. Die Ursachen dafür liegen in den Folgen des Ersten Weltkriegs: Weil der 1919 geschlossene Friedensvertrag von Versailles die Rüstungsproduktion in Deutschland künftig stark beschränkte, entstanden weder die Waffenfabrik noch die geplante Arbeitersiedlung. Außerdem wurden die Pläne für die Psychiatrie nach dem Krieg aus finanziellen Gründen aufgegeben. Weil die unmittelbare Umgebung des Bahnhofs unbesiedelt war, gab es keinen Bedarf mehr dafür.

Zu Beginn der 1950er Jahre entstand unmittelbar neben diesem Eingang auf dem freien Bahnhofsvorplatz ein Behelfsheim, wobei der Personentunnel einbezogen wurde. Darin entstand ein Wirtschaftsraum mit Koch- und Waschgelegenheit, in einer Nische unter der Treppe lagerten die Bewohner ihr Brennholz. Nach dem Auszug der letzten Bewohner brannte das Gebäude in der ersten Hälfte der 1970er Jahre vollständig ab. Der Eingang wurde teilweise mit Schutt verfüllt, blieb aber für rund 15 Jahre geöffnet.

 

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