Die unterirdische Stadt

Die Geschichte der Batterie Vineta (die unterirdische Stadt) beginnt in den 1930er Jahren. Hier war damals der größte Marinestützpunkt der deutschen Marine an der Ostsee. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg wurde eine neue Strategie zum Schutz der Kriegsmarinestützpunktes entwickelt. Eine der Eckpfeiler der Hafenbefestigung, welche diesen vor Angriffen von See, Land und Luft schützen sollte, war neben der Bewaffnung der alten Wehranlage mit modernen Waffen der Ausbau der Inselbefestigung. Auf der Insel Wollin wurden neben einer Reihe von modernen Flugabwehr- und Staudammbatterien zwei moderne Küstenschutzbatterien errichtet. Die Anlage wurde mit 4 Geschützen a‘ 15 cm Kaliber ausgestattet, die in der Nähe am Meer auf dem höchsten Hügel der Gegend angelegt wurden. Die Batterie Vineta umfasst ein Gelände von rund 15 Hektar. 

Die Entscheidung die Batterie zu errichten wurde 1935 getroffen. Die Umsetzung verzögerte sich jedoch, da die Preußische Forstdirektion nicht bereit war, günstiges Land für den Bau eines weiteren großen Militärkomplexes zu einem Spottpreis zu verkaufen. Der Streit betraf die Bewertung des Bodens und des darauf wachsenden Baumbestandes. Schließlich verkauften die Förster dieses Land nach mehrjährigen Auseinandersetzungen, gerade einige Monate vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Begonnen wurden die Arbeiten 1938, und schon ein Jahr später bereits fertig errichtet. Diese umfassten 4 Bunkerkomplexe, sowie die Stände für die Kanonen Kalibers 15 cm. Ferner wurde ein zweistöckiger Kommandobunker mit einer großen Panzerkuppel errichtet, Maschinenräume und ein Munitionslager angelegt. Hinzu kam die notwendige Infrastruktur auf dem gesamten Gelände, moderne Radaranlagen, Wachhäuser, Wohnbaracken, Trafostationen und ein Netz von Gräben zwischen den Bunkeranlagen. 

Der Bau der Batterie fand in einer Zeit der starken Entwicklung der Rüstungswirtschaft im Dritten Reich statt, daher verfügte die Armee auch über beträchtliche finanzielle Mittel für die geplante Befestigung. Daher war es möglich, die Vorstellungen der Bauherren zu erfüllen und Gebäude nach den höchsten Standards zu errichten. Auf diese Weise entstand ein einzigartiger Komplex, der zu einem Modelprojekt avancierte. Später wurde er in anderen Teilen des Reiches übernommen, wobei man das Projekt individuell an die Bedingungen vor Ort anpasste. Mit dem Fortschreiten des Krieges jedoch waren Projekte gefordert, die billiger realisiert und unterhalten werden konnten. 

Zur Jahreswende 1940/1941 wurde die Batterie, d.h. die Besatzung und die Kanonen nach Holland an den Atlantikwall verlegt. Die Batterie wurde als Ausbildungsstätte für eine der Zweigstellen der Küstenartillerie-Lehrabteilung genutzt. Als März / April 1945 polnische und sowjetische Truppen die Insel erreichten, beschoss die Batterie zusammen mit anderen Einheiten die 19. Armee der 2. Belarussischen Front und brachte diese zum Stehen. Nachdem die letzte Einheit die Stadt auf dem Seeweg verlassen hatte, wurde beschlossen, die Kanonenburgen zu sprengen, unter anderem diejenigen, welche sich in den Kasernen- und Bunkeranlagen der Batterie befanden. Schließlich besetzten Anfang Mai 1945 sowjetische Truppen die Stadt. Die Batterie wurde mehrere Monate lang wertvollen Ausrüstungsgegenständen beraubt und dann 1945 / 1946 aufgegeben und der polnischen Armee übergeben, die zuerst nicht wusste wie sie die Batterieanlage nutzen sollte. 

Während der wachsenden Bedrohung zu Zeiten des Kalten Kriegs in den frühen 1950er Jahren, wurde beschlossen, dass die Objekte nützlich sein könnten. In ihrer Nähe wurden Befestigungen zum Schutz vor Landungen errichtet, um diesen Teil der Küste vor Angriffen der NATO zu schützen. 

Der größte Umbau des gesamten Komplexes fand in den 1960er Jahren statt. Die Entscheidung, die Anlagen für die Bedürfnisse der polnischen Front zu modernisieren, wurde in dem Bewusstsein enormer finanzieller Aufwendungen getroffen. Zwischen den fünf Schutzräumen wurde ein unterirdischer Tunnel angelegt, die Objekte wurden versiegelt. Und eingebettet, dann wurde ein neuer Wald drauf gepflanzt, der sämtliche Objekte und die gesamte Bodeninfrastruktur verdeckte. 

Auf diese Weise entstand eine völlig autonome unterirdische Stadt mit dem Codenamen „10150“, die seit den 1960er Jahren fast ein halbes Jahrhundert lang verschiedene Funktionen für das Kommando der polnischen Front, der Kriegsmarine und der 8. Flotte des Küstenschutzes ausgeübt. Nach 1965 ist der Komplex zu einem der geheimsten Orte in Polen geworden. Dieses wahrhafte Zeugnis des Kalten Krieges wurde ab dem 31.12.2013 zu einer Zweigstelle des Museums der Küstenwache. Seit dem 01.05.2014 sind Teile der Anlage für Besucher zugänglich. 

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