Heilstätte

Und wieder ging es mal auf eine Tagestour um einen sehr interessanten Ort zu besuchen. Es ging zu einer ehemaligen Lungenheilanstalt. 1896 vom Deutschen Roten Kreuz als Versuchseinrichtung gegründet, zur Erprobung oben hier in Flachland in einem Kiefernwald die Behandlungen ebenfalls so erfolgreich sind, wie in den Gebirgen oder der See. Uns erwartete eine riesige Anlage, die auf ca. 32 Hektar verteilt liegt. 

In der zweiten Hälfte des 19 Jhs. stieg die Zahl der lungenkranken stark an. Etwa ein Drittel aller Patienten im Alter zwischen 15 und 60 Jahren litt an Lungentuberkulose. Der Volksheilstättenverein zum Roten Kreuz erwarb eine Fläche, und ließ dort zunächst 27 Baracken errichten, um zu erforschen, ob sich auch die Luft in der Tiefebene zur Behandlung von Lungenkrankheiten eignete. Bis dahin ging die Humanmedizin davon aus, dass Erkrankungen der Lunge nur im milden Klima des Mittelmeeres oder in reiner Gebirgsluft zu bessern oder zu heilen seien. Der Test verlief äußerst erfolgreich, so dass bis 1896 die erste Lungenheilstätte in Norddeutschland mit entsprechenden festen Bauten und Wirtschaftsgebäuden ihre Arbeit aufnehmen konnte. Im Jahr 1900 standen bereits 200 Betten für leicht- bis schwerkranke Personen zur Verfügung, es gab Patientenhäuser, Operationssäle, Behandlungszimmer, Liegehallen sowie eine Direktorenvilla, ein Maschinenhaus, Stallgebäude, Beamtenwohnungen und zur Energielieferung eine Gasanstalt. Bald kam noch eine unterirdische Transportanlage hinzu, die die Speisen von der Zentralküche zu den Bettenhäusern beförderte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wies die Einrichtung 400 Betten für Kranke auf; aufgenommen wurden in den ersten Jahren jedoch nur Männer. Während des Krieges diente die Heilstätte als Vereinslazarett vom Roten Kreuz zur Behandlung lungenkranker Soldaten. Bis 1918 wurden zudem Kriegsgefangene hier untergebracht.

Der Krieg und die Inflationszeit brachten schließlich auch die Heilstätte in große wirtschaftliche Not. Der Volksheilstättenverein verkaufte die Anstalt deshalb am 1. Juni 1920 an die Landesversicherungsanstalt. Diese ließ ab 1926 Erweiterungsbauten errichten, sodass die Zahl der vorhandenen Betten sich bis in die 1930er auf etwa 420 erhöhte.

Dank der Entdeckung von Antibiotika und ihrem Einsatz in Deutschland ab 1943 wurde Tuberkulose schneller heilbar. Lange Klinikaufenthalte waren nicht mehr nötig und viele Heilstätten wurden überflüssig. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel das Gebiet infolge des Potsdamer Abkommens in die Sowjetische Besatzungszone und damit auch die ehemalige Lungenheilstätte. Die Militärmacht nutzte den gesamten Komplex ab Mitte 1945 bis zu ihrem Abzug 1992 als Militärlazarett. Alle Ärzte und Schwestern kamen aus der Sowjetunion, für zahlreiche Hilfsarbeiten kamen jedoch auch DDR-Bürger zum Einsatz. Die meisten Anlagen wurden nur notdürftig instandgehalten, langfristig waren sie heruntergewirtschaftet. Nach Abzug der Streitkräfte Russlands aus dem ehemaligen Heilstättenkomplex erschien eine Neunutzung nicht ohne enormen Kostenaufwand möglich. Unmittelbar nach dem Abzug der Besatzungstruppen gelangte die Bauanlage in das Eigentum eines (nicht näher benannten) Finanzunternehmens. Eine konkrete längerfristige Nutzung war nicht geplant. Dagegen vermietete die Finanzgesellschaft große Teile der Anlage an eine Paintball-Spielgemeinschaft, die durch das Nutzen des Geländes als Spielfeld große Schäden in den meisten Gebäuden anrichtete.

Die Anlage ist mittlerweile verfallen und wurde in den letzten Jahren von Vandalen und Metalldieben heimgesucht. Seit 2005 kümmert sich ein Verein um die verbliebenen rund 30 ruinösen Gebäude, von denen 15 seit Ende des 20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz stehen. Die Aktivitäten des Vereins erstrecken sich über die Bereiche Kunst, Handwerk, Musik, Landwirtschaft, Unternehmertum und Forschung. Hierdurch wird die Anlage jedoch nur noch am Leben erhalten. Eine Komplettsanierung wird auf 40–50 Millionen Euro geschätzt.

Im Jahr 2007 fiel die Kapelle einer Brandstiftung zum Opfer. Anfang 2021 kündigt der Verein an, das Gelände zu verlassen, nachdem es 17 Jahre nicht gelungen ist, das Projekt zu realisieren.

 

Häufig standen die Heilstätten auch als Kulisse für Filme zur Verfügung. Unter anderem wurden hier folgende Filme gedreht: Monuments Men – Ungewöhnliche Helden ; Heilstätten ferner diente die Anlage für diverse Musikvideos von bekannten Bands. 

Es gibt auch sehr viele Geschichten, dass es hier nachts spuken soll.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.